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Achtsamkeit in Stade - Dr. Mechthild Hammacher - Stade

Glücklichsein

Anleitung zum Glücklichsein

 

( Es gibt ein wunderbares Buch eines sehr klugen Psychologen, Paul Watzlawik mit dem Titel „Anleitung zum Unglücklichsein“, in dem er beschreibt, wie wir mit unseren Vorstellungen das Unglück herbei rufen. Daran angelehnt und inspiriert vom Werk Eckhart Tolles hab ich lieber nachgedacht über eine Anleitung zum Glücklichsein. Mechthild Hammacher)

Während Sie dieses lesen, sitzen Sie wahrscheinlich an einem warmen und trockenen Ort, haben ein wenig Zeit, vielleicht haben Sie Schmerzen, Sorgen, vielleicht keine.... sind Sie glücklich ? Oder wenigstens zufrieden ?

Als Sie ganz klein waren, da gab es Augenblicke absoluten Wohlseins, Glücks.... und Augenblicke absoluten Unglücks. Seither ist viel geschehen und Sie haben, wie wir anderen auch, eine Vorstellung von sich selbst entwickelt, wie Sie so sind, was Sie gut können, was nicht, was Ihnen Freude macht....und im Zweifel haben Sie eine ausführliche Vorstellung davon entwickelt, was alles an Ihnen falsch ist . ( Sie haben wahrscheinlich auch präzise Vorstellungen davon, was an den anderen und der Welt und Ihrem Schicksal falsch ist. )

Wir nennen das unser Ego, das ist nichts anderes als eine Konstruktion aus Vorstellungen, die wir aufgrund unserer Erfahrungen und unserer Art, diese Erfahrungen zu bewerten ( oftmals als schlecht, ungerecht... ), errichtet haben.

Wir alle haben von Beginn an viel Schmerzliches erlebt. Wann immer wir einen Schmerz verstehen und annehmen konnten, verging er ohne Spuren zu hinterlassen; viele Schmerzen, besonders in der Kindheit, konnten wir aber nicht verstehen und deshalb nicht annehmen – sie hinterlassen bleibende Spuren, die darauf warten, erlöst zu werden. Das wollen wir unsren Schmerzkörper nennen, dort sind alle alten Schmerzen gespeichert und er ist Teil des Ego. Wann immer Ereignisse oder Empfindungen in Ihrem Leben erscheinen, die den Schmerzkörper an einen alten Schmerz erinnern, reagiert er genauso wie damals, als dieser erste Schmerz auftrat. Wenn Sie etwa frühe und nicht verarbeitete Verluste erlitten haben, werden Sie bei Abschieden und Verlusten fast so sehr leiden wie damals, auch wenn der Verlust Ihnen eigentlich gar nicht so viel bedeutet - Sie erleiden das „Verlieren“ mehr als den aktuellen Verlust.

Viele Menschen, die in die Psychotherapie kommen, leiden weniger an einem akuten schlimmen Ereignis, als daran, dass sie mit dem, was geschieht, nicht fertig werden, obwohl sie doch erwachsen sind und andere es auch schaffen: das auslösende Ereignis ist„kleiner“ als das auftretende Leid. Das Anliegen der Psychotherapie ist es, den Urschmerz, der sich im Schmerzkörper festgesetzt hat und das akute Leiden auslöst, bewusst zu machen, zu spüren und zu würdigen, sodass er heilen kann und der Schmerzkörper schmilzt und er nicht länger heftig auf Ereignisse reagieren muss, die entfernt an das Urereignis erinnern.

Der Weg der Bewusstwerdung, ist der Weg der Liebe: wir versuchen die Ursituation zu verstehen, anzunehmen, wir versuchen die Auslöser, seien es andere Menschen ( wie die Eltern etwa) in ihrem Sosein anznehmen ebenso wie die Lebenssituation, das schicksalhafte Ereignis. Es ist der Weg zum Leben im Jetzt.

Dies ist nicht der Weg des Ego. Das Ego möchte die Schmerzen los werden, indem es sie entweder in Zukunft vermeidet oder aber Schuldige sucht für den Schmerz: die Eltern, andere Menschen, den Schicksalsschlag. Es möchte sich nicht dem Schmerz stellen, sondern läuft quasi darum herum, will nicht den Lauf der Dinge akzeptieren, sondern will, dass das Leben anders sei als es ist und sich seinen Vorstellungen, die es im Laufe des Lebens angesammelt hat, fügt. Es braucht den Schmerzkörper, um auf seinem Willen zu beharren: wenn so viel Schmerz da ist, muss da Unrecht sein und es muss von aussen kommen und von aussen aufgelöst werden. Und so erhält und stabilisiert es ihn .

Das Ego will auch unser Glück, ja. Aber nicht jetzt, sondern wenn alle seine Forderungen an uns selbst, die anderen und das Schicksal erfüllt sind – also eigentlich nie. Das Ego will einziger Wegweiser sein, verspricht uns Sicherheit und gibt sie uns auch, indem es alle neuen Erfahrungen nach seinem alten Raster beurteilt, und das ist meist die Erwartung von Leid und Schmerz, weil es ja immer schon so war und bei uns eben alles schief geht. Das ist zwar leidvoll, aber auf jeden Fall sicher, da wir uns damit gut auskennen. So wundern wir uns, dass uns immer dasselbe geschieht und merken nicht, dass wir es anziehen, indem wir bzw unser Ego nur das Bekannte sucht und in alter Weise bewertet, um recht zu behalten.

Darüber vergessen wir das Leben, wie es jetzt ist, zu spüren und zu leben. Wir vergessen, dass es sich bei dem Ego ( und dem Schmerzkörper ) nur um Vorstellungen handelt, die aus längst veralteten Erfahrungen entstanden sind. Und das Ego ist eifrig darin, uns immer neue Vorstellungen anzubieten, wie die Dinge sind, die anderen Menschen, die Welt – und wenn wir lernen hinzuhören, wach zu werden für das, was in uns geschieht, dann hören wir dieses unendliche Gemurmel von Feststellungen, Bewertungen , Kämpfen, Aburteilungen. Dann, wenn wir bewusst werden, werden wir die alten Schmerzen erkennen, fühlen und verabschieden und wir werden entdecken, wie viel Leid uns dieses Phantom „Ego“ verursacht, wie es sich nährt von negativen Gedanken, wie es aufblüht mit unseren Verurteilungen und Versuchen, uns als die Besseren ( oder Schlechteren je nach Ego-Konzept )zu fühlen, wie es den Schmerz festhält.

Wenn wir beginnen, uns dessen bewusst zu sein und aufzuhören Konzepte zu machen, sondern das Leben im Augenblick zu spüren beginnen, dann ist da erst mal - Nichts. Das macht dem Ego große Angst, es wird versuchen, uns neue Vorstellungen zu liefern. Doch wann immer wir es schaffen, dem zu widerstehen und uns auf das hier und Jetzt zu konzentrieren, treten wir ein in das Wagnis, den Augenblick zu leben: wir gehen mit Bereitschaft statt Abwehr auf das zu, was zu tun und zu erfahren ist, wir vermeiden nicht Glückhaftes und Schmerzliches, sondern nehmen es an als das,was jetzt ist – WIR SIND.


Das fühlt sich an wie Glück!

Sie sitzen immer noch da mit diesem Text, haben Gedanken und Urteile dazu, Widerstände vielleicht.... oder schauen die Natur an oder einfach in sich hinein. Anlässe für Sorgen und Ängste sind in diesem Augenblick nicht da, es sei denn als Vorstellungen in ihrem Kopf.

Und es ist die Wahrheit, wenn Sie sich sagen, ich bin nicht mein Problem, meine Angst, mein Schmerz, sondern ich habe sie. Sie sind Teil meines Erlebens und haben viel mit enttäuschten Vorstellungen zu tun, sie sind nicht das, was mich eigentlich ausmacht.

Ich bin das Erkennen, nicht die Erkenntnis.

Sind Sie glücklich ?

( Möchten Sie überhaupt glücklich sein ? )------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Literatur:

Paul Watzlawik: Anleitung zum Unglücklichsein

Eckhart Tolle: Jetzt ! Die Kraft der Gegenwart Anleitung zum Glücklichsein (